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Im Jahr 1869 wurde bei meinen Elternhaus ein neuer Dachstuhl über
das alte Blockhaus errichtet. Das alte Blockwohnhaus wurde später
abgerissen und durch ein gemauertes ersetzt. Das Jahr dieses Steinbaues
ist unbekannt. Der Plan zeigt den Grundriss und die
Wohnraumeinteilung des alten Wohnhauses. Teile, des in Blockbauweise bestandenen alten Hauses wurden für die Decken des damals neuen, in Stein gemauertes Hauses verwendet. Diese wurden in Vollbauweise verlegt (nebeneinander) und ergaben so eine für damals verhältnismäßig gute Wärmedämmung, nach oben. |
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1869 – ein neuer Dachstuhl für den Peterbauern Der Peterbauer war zur Zeit als dieser neue Dachstuhl errichtet wurde ein reiner Holzbau. Der Wohnbereich war im Blockbau gezimmert, der Stall- und Tennenbereich in dem einfacheren Ständerbau errichtet. Der Stallbereich war bereits gemauert. Es handelt sich um einen ganz typischen Flachgauer Einhof, was uns auch die Raumaufteilung des alten Planes zeigt. Im Erdgeschoss befinden sich die beiden Stuben, wobei die kleinere möglicherweise als Austragstube gedient haben könnte. Hinter der größeren Wohnstube ist die Küche situiert, auf der gegenüberliegenden Seite des Flures befand sich eine Kammer – höchstwahrscheinlich eine Vorratskammer, von der aus auch der Keller erschlossen war. Auf dem Plan sieht man sehr schön die offene Feuerstelle in der Küche. Als Rauchabzug diente ein schliefbarer Kamin (Schlufkamin, von innen besteigbar), der direkt über der Feuerstelle zu einem Funkenhut ausgeformt war. Diese Kamine wurden auch gerne als Selche benützt. Der Kachelofen in der Stube wurde ebenfalls von dieser Feuerstelle beheizt. Die Wände im Bereich des Herdes waren aufgrund der Feuersgefahr bereits gemauert. Auch in der kleineren Stube gab es einen Kachelofen. Sehr interessant und selten ist der Backofen unter der offenen Feuerstelle bzw. dem Kachelofen in der Stube, der sicherlich etwas unbequem zu bedienen war, aber man nützte die Wärme des Backofens um gleichzeitig beide Räume zu erwärmen. Eine Treppe im Flur führt in das Obergeschoss, wo sich die Bauernschlafkammer, die Mägdekammer und - durch Bretter von der Getreidedille abgetrennt – ein kleines Kinderzimmer befand. Die Dillen waren von der Tenne zu beschicken – dort konnte man ja z.B. mit dem Wagen einfahren und gleich in der richtige Höhe in die Dillen abladen – man konnte sie aber auch durch eine Treppe erreichen. Hier wurden vorwiegend Getreidegarben bis zum Dreschen gelagert. Man brauchte sie dann nur herunterzuwerfen. 1869 hat man noch mit dem Flegel im Takt gedroschen. Anfang des 19. Jahrhunderts begann man im Flachgau die Dächer aufzusteilen, da man mehr Platz benötigte. Vorher hatte man flachgeneigte Legschindeldächer. Die Schindeln waren nur draufgelegt, denn jeder Nagel musste vom Schmied einzeln hergestellt werden. Erst die industrielle Nagelproduktion im 19. Jahrhundert ermöglichte steile Dächer, bei denen die 40–60 cm langen Scharschindeln angenagelt werden mussten. Am Plan sieht man sehr schön das typische Pfettenstuhldach mit dem Schopf, in der Hausforschung auch Pfetten-Sparrendach genannt. Die Firstpfette entfiel bei dieser Dachart. Der untersetzte Dachstuhl stellt eine Tragkonstruktion dar, die als selbständiges Ständergerüst in den oft als Kniestock erweiterten Dachraum hineingestellt wurde. Ganz typisch sind auch die Aufschlieblinge an den Traufseiten, die den für den Flachgau typischen, geschwungenen Dachfuß ausmachen. Der Peterbauer hat heute noch eine sehr schöne Natursteinfassade und ist in den Putzfugen mit Schlacken- und Scherbenstückchen verziert. Diese Modeströmung des ausgehenden 19. Jahrhunderts brachten italienische Wanderarbeiter (aus der Gegend von Friaul), welche beim Westbahnbau beschäftigt waren, in den Flachgau. Die Italiener hatten schon viel Erfahrung mit dem Mauerbau und halfen in ihrer Freizeit den Flachgauer Bauern, für die diese Bauweise damals neu war. Ob beim Peterbauern tatsächlich Italiener mitgeholfen haben, ist nicht mehr herauszufinden, schließlich erlernten auch die Salzburger sehr schnell diese Technik. So wird man zwar 1869 noch den Dachstuhl auf den Holzbau gesetzt haben, allerdings kann es nicht mehr lange gedauert haben, bis der Holzbau durch das Mauerwerk ersetzt wurde. Man trug eine Wand nach der anderen ab und stützte den Dachstuhl dabei ab. Fast alle Flachgauer Bauern ersetzten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihr Holzhaus durch ein gemauertes Haus. Und es ist bemerkenswert, wenn Zeugen dieses Wandels, der das Landschaftsbild sicherlich sehr prägte, bis heute so schön erhalten wurden. Mag. Monika Brunner-Gaurek |